Die Wurmtoilette – Von der Masterarbeit zum Herzensprojekt. Lena Pramerdorfer über ihr Forschungspraktikum bei Wurmkiste.at

Wurmtoilette geschlossen. Auf dem Deckel steht eine Klopapierrolle

Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich einmal eine Toilette mitentwickeln würde…

…wäre ich wahrscheinlich sehr überrascht gewesen – und ich glaube ich hätte es auch nicht cool gefunden. Aber mein Weg führte über ein Umwelttechnik-Studium zur Wurmkiste.  Vor genau einem Jahr war ich hier zum Vorstellungsgespräch. Ich war auf der Suche nach einem Praktikum und wusste gar nicht was auf mich zukommen würde – David, der Gründer meinte, ich solle einfach mal vorbeikommen. Als ich ihm dann erzählte, ich würde gerne ein sechsmonatiges Praktikum machen und dabei ein Projekt mit meiner Masterarbeit wissenschaftlich begleiten, erzählte er mir von der Wurmtoilette.

Die Idee der Wurmtoilette war damals schon geboren und meine Kollegin Marion hatte sich auch schon mit dem Thema beschäftigt. David präsentierte sie mir als perfektes Projekt für meine Masterarbeit.

 Lena Pramerdorfer BSc FH Wels Wurmkiste Wurmtoilette

Es traf sich gut – Vor ein paar Tagen hatte ich mich noch im Hörsaal darüber aufgeregt, dass in Österreich tausende Tonnen an Klärschlamm verbrannt und deponiert werden und mit Ihnen wertvolle Pflanzennährstoffe, die doch so dringend gebraucht werden, einfach verloren gehen.

Ich konnte zwar das “große Problem” immer noch nicht lösen – aber ich konnte einen wertvollen Beitrag dazu leisten, dass das Problem im Kleinen gelöst werden kann: Mit der Wurmtoilette können zumindest einzelne Personen ihre ausgeschiedenen Nährstoffe der Natur wieder zurückgeben.

Ich fand das Projekt super und sagte sofort zu.

Mittlerweile bin ich über ein halbes Jahr bei der Wurmkiste. Ich habe seit dem sehr viel gelesen, gesehen und gelernt. Über Würmer, Ausscheidungen und alle möglichen Themen. Ich habe gelernt Würmer zu züchten, Würmer zu füttern – Ich habe gelernt was Würmer mögen und was nicht. Ich habe gesehen, dass Würmer Fäkalien lieben – und gelesen dass sie Urin hassen. Es hat mich überrascht zu sehen welche Menge an Ausscheidungen wir Menschen produzieren und wie schnell die Würmer sie beseitigen können und es hat mich erschreckt zu lernen wie viel Trinkwasser täglich für die Spülung einer Toilette draufgeht (30% unseres täglichen Wasserverbrauches!)  Ich habe mit Leuten geredet, die sich schon lange mit dem Thema beschäftigen und mit Leuten die dringend auf der Suche nach einem Produkt wie der Wurmtoilette sind.

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Mit diesem Wissen im Kopf habe ich die Wurmtoilette mitkonzipiert, beim Bauen geholfen, sie auf Herz und Nieren getestet, die Kompostproben im Labor analysiert und meine Masterarbeit über das Thema verfasst.

Wenn mich die Leute fragen, wo ich mein Praktikum mache und ich die Wurmtoilette erkläre, dann sind die Reaktionen sehr gemischt. Manche nicken es einfach ab und fragen nicht genauer nach – es ist halt immer noch ein Tabuthema. Andere sind sehr interessiert und finden das Projekt total cool und möchten am liebsten sofort selbst eine Wurmtoilette zuhause haben. Anfangs ist es mir sicher schwer gefallen, die richtigen Worte zu finden, mittlerweile erwähne ich die Kompostierung von Fäkalien und das Fermentieren von Urin sehr regelmäßig und auch ganz nebenbei (ja, auch beim gemeinsamen Mittagessen kommt das Thema öfters auf). 

Fäkalien und Urin sind nichts mehr vor dem ich mich ekele oder dass ich komisch finde – es gehört halt einfach zum Kreislauf des Lebens dazu. Und ich glaube so geht es auch allen KollegInnen die gerade die Wurmtoilette zum Testen zu hause haben – man verliert die Scheu und man erfreut sich daran, zu Hause den natürlichen Kreislauf schließen zu können. 

Ich hatte definitiv meine emotionalen Ups- und Downs bei dem Projekt, das liegt in der Natur der Forschung. Aber wenn etwas nicht funktioniert geben wir nicht auf, sondern wir verbessern das Produkt solange bis es perfekt funktioniert. 

Design ohne Titel

Das Projekt hat etwas in mir verändert: Es hat mir die Scheu vor Ausscheidungen genommen und mich sensibler gegenüber Wasserverschwendung gemacht. 

Ich bin sehr gespannt wohin das Projekt mit der Wurmtoilette weitergeht und wie das fertige Produkt zum Schluss aussehen wird – aber ich bin mir sicher: Es wird ein tolle, sinnvolle Innovation werden und in sehr vielen Haushalten Kreisläufe schließen. 

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Jeder Rest ist eine Ressource: Hier gibt’s alle Infos über unsere Forschungsreise zur fertigen Wurmtoilette

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