Wurmduft in der Luft?

Stirn runzeln und ein Seufzen, das mir sagte, dass es wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit brauchen würde, bis mein neuerster Plan Zuspruch erlangen würde. Die Reaktion meiner beiden Mitbewohnerinnen auf meinen Vorschlag uns eine Wurmkiste zuzulegen, um unseren Bio-Abfall nicht weiterhin mit schlechtem Gewissen im Restmüll entsorgen zu müssen, war eindeutig. Skepsis über Geruch lag in der Luft. Zugegeben: Die Vorstellung von ungefähr 1000 Würmern in einer Holzkiste, die sich genüsslich durch Bio-Müll fressen und diesen in nährstoffreichen Humus umwandeln, noch dazu in der eigen Wohnung, wirft einige Fragen auf.

Als ich schließlich Mitte Dezember mit meiner, in einem Workshop selbst gebauten, Wurmkiste nachhause ging, um den mit Erde und 250 Kompostwürmern gefüllten Sack in die Kiste zu entleeren, war meine größte Sorge: Hoffentlich stinkt die Wurmkompostierung wirklich nicht, so wie ich es meinen Mitbewohnerinnen versprochen hatte. Etliche Gespräche, um ihre Bedenken aus dem Weg zu schaffen, wurden geführt, es wurde gegoogelt, gelesen , diskutiert und Antworten gefunden: In der Natur stinkt es nur, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll. Im Falle unserer Wurmkompostierung bauen die Würmer organische Substanz , unter Verbrauch von Sauerstoff, ab. Also: Solange sich die Würmer in der Kiste wohlfühlen, ihnen also genügend Sauerstoff, Nahrung und Feuchtigkeit zur Verfügung steht, wird sich unser Indoor-Komposthaufen nicht durch unangenehme Gerüche bemerkbar machen.
Doch trotz der plausibel klingenden Erklärung blieb der kleine Restzweifel, der sich erst mit Zeit und Erfahrung gänzlich aus der Welt schaffen lies.

Die ersten paar Tage mit unseren neuen Wurm-Mitbewohnern waren geprägt von Vorfreude, ein kleinwenig Ungewissheit und Neugier (Ja, auch meine WG-Kolleginnen brachten der Idee Wurmkiste mittlerweile Empathie entgegen). Nur schwer konnten wir an der Wurmkiste vorbei gehen ohne einen Blick in das Wurmreich zu werfen. Auch nach den ersten drei Monaten haben sie nur kaum an Faszination verloren. Schließlich möchte Frau oder Herr WurmkistenbesitzerIn sicher gehen, dass es den Haustierchen an nichts fehlt, wenn sie langsam über Gemüse-Reste und Kaffeesud kriechen. Besondere Beliebtheit erlangte die Wurmkiste auch bei Besuchern, man sieht diese immerhin (noch) nicht alle Tage. Gerne stellen wir bei solchen Gelegenheiten die Geruchs Neutralität unserer Kiste unter Beweis. Und wenn Besucher beim Öffnen der Kiste treffend bemerken: „Das riecht wie ein Waldboden oder wie feuchte Erde“ können wir den Stolz auf unsere innovativen Humusfabrikanten kaum noch verbergen.

Erfahrungsberichtvon Julia Müller zur Entwicklung von Geruch in der Wurmkiste