Die heißesten Tage im Jahr werden auch ‘Hundstage’ genannt.
Steigen die Temperaturen, fragen sich viele: Was bedeutet das jetzt für meine Würmer? Zuerst die Entwarnung: Kompostwürmer sind erstaunlich robust. Ideal sind 15–25 °C, über 30 °C wird’s ihnen ungemütlich – aber sie halten mehr aus, als man denkt. Mit ein paar gezielten Handgriffen kommen sie entspannt durch den Hochsommer. Und ja, auch wenn du in den Urlaub fährst. 🌞
Damit du sofort findest, was für dich zählt, ist dieser Beitrag in zwei Teile gegliedert: zuerst die Grundlagen, die für jedes System gelten – danach die Tipps speziell für deinen Komposter. Über das Inhaltsverzeichnis springst du direkt dorthin, wo du gerade stehst. Eines vorweg: Bei Hitze dreht sich fast alles um drei Dinge – Feuchtigkeit, einen kühlen Standort und genug Luft.
Das erfährst du hier
Für alle gültig
- Die richtige Feuchtigkeit
- Der richtige Standort
- Belüftung und Faserfutter
- Kühltricks bei extremer Hitze
- Entspannt in den Urlaub
- Erste Hilfe bei Hitzeschock
Dein System im Sommer
- Würmer unterwegs oder frisch gestartet
- Wurmkisten aus Holz
- WurmBox-Komposter aus Kunststoff
- Wurmvasen und Beetkomposter
Die richtige Feuchtigkeit
Warum dreht sich bei Hitze fast alles um Feuchtigkeit? Würmer atmen über ihre Haut – das klappt nur, wenn sie feucht bleibt. Und bei Hitze verdunstet mehr.
Die Faustprobe: Greif in die Schicht unter dem frischen Biomüll, sortiere die Würmer aus und drück eine Handvoll zusammen. Ein paar Tropfen zwischen den Fingern = perfekt (wie ein ausgedrückter Schwamm). Bröselig = zu trocken. Rinnt es übers Handgelenk = zu nass.

Zu trocken? Nicht gießen (das Wasser rauscht nur durch), sondern mit der Sprühflasche benetzen. Alternativ nasse Kartonschnipsel füttern – oder, wenn nur ein bisschen Feuchtigkeit fehlt, verwöhn dich selbst mit Wassermelone und die Würmer mit den kleingeschnittenen Schalenresten. Die geben richtig viel Feuchtigkeit ab.
Zu nass? Trockene Kartonschnipsel oder ungedüngte Kokosfasern untermischen (nur so viel Wasser wie nötig einweichen bzw. danach wieder etwas antrocknen lassen). Das saugt Nässe auf und bringt Luft hinein.
💧 Ausnahme Wurmvase: Hier gießt du tatsächlich – sie steht offen im Beet, es regnet ja nicht hinein (mehr dazu bei den Wurmvasen).
Der richtige Standort

Faustregel: Wo es für dich angenehm ist, fühlen sich auch deine Würmer wohl.
- Innen: kühlster Raum (Vorraum, Bad, Gang), keine direkte Sonne. In den kühlen Morgen- und Abendstunden lüften (Deckel auf, Wurmteeblende kurz weg). Aber bitte kein Langzeitlüften ohne Fliegenschutz – auch unsere schwirrenden „Lieblinge” sind im Sommer vermehrt unterwegs. Wird’s mit der Hitze extrem, hilft der Keller.
- Draußen: Morgen- und Abendsonne ok, pralle Mittagssonne tabu – ab in den Schatten.
Warnsignal: Klettern vermehrt Würmer an den Wänden hoch, ist der Standort zu warm oder sie suchen nach Luftzufuhr. Dann ein kühleres Plätzchen suchen bzw. Maßnahmen zur Kühlung ergreifen und Luft ins System einarbeiten – wie im nächsten Punkt beschrieben.
Belüftung und Faserfutter
Wurmkompostierung ist ein aerober Prozess – die Würmer brauchen Sauerstoff. Geht der Geruch Richtung Fäulnis statt Waldboden und ist der Inhalt eher matschig, fehlt genau dieser Sauerstoff.
Die Lösung ist fast immer dieselbe: Faserfutter großzügig untermischen. Das lockert auf, bringt Luft in alle Schichten und saugt überschüssige Nässe auf. Faustregel: mindestens 20–30 % Karton im Futter – also 2 Hände voll Biomüll, 1 Hand Faserfutter.
| ✅ Geeignetes Faserfutter | ❌ Bitte nicht |
|---|---|
| Kartonschnipsel (unbeschichtet) | Rasenschnitt – verdichtet & erhitzt sich selbst |
| getrocknetes Laub (Obstbaum) oder Heu | Hochglanz-/beschichteter Karton |
| ungedüngte Kokosfasern (sparsam einweichen) | Nussbaum-/Eichenlaub (zu gerbstoffreich) |

Die komplette Futterliste findest du hier.
Zusätzlich hilft ausgiebiges Lüften mit geeignetem Fliegenschutz. Wie du belüftest und lüftest, hängt vom System ab – die Details findest du jeweils bei deinem Komposter weiter unten. So pendelt sich alles innerhalb von 1–3 Tagen wieder ein.
Kühltricks bei extremer Hitze

Die „Mini-Klimaanlage”. ❄️ Über 30 °C? Eine 0,5-l-Plastikflasche mit Wasser (alternativ ein Cool-Pack) einfrieren und oben hineinlegen. Am besten zwei im Wechsel – eine in der Kiste, eine im Gefrierfach. Bitte keine Glasflasche, die zersplittert. Wenig Aufwand, kühlt wirksam.

Wurmfutter on the rocks. Frier deine Bioabfälle über Nacht ein und verfüttere sie am Morgen – das kühlt dein Kompost-System sehr zuverlässig. Wichtig: vorher 1–2 Hände voll Kartonschnipsel rein, dann den gefrorenen Biomüll drauf. Beim Auftauen tritt rasch viel Feuchtigkeit aus, die der Karton wieder aufsaugt. Doppelter Bonus: Das Einfrieren tötet eventuell auf den Schalen abgelegte Fruchtfliegen-Eier ab – so machen sich keine schwirrenden Gäste in deiner Kiste breit. Sehr empfehlenswert, wenn schon Fruchtfliegen über deiner Obstschale kreisen.
Entspannt in den Urlaub

Bis zu drei Wochen sind kein Problem – die Würmer gehen in einen Ruhemodus und zehren vom fertigen Humus, den sie noch feiner verarbeiten. So bereitest du alles vor:
- Standort: kühlster Raum, keine direkte Sonne.
- Belüftung: Wirkt der Biomüll vor der Abreise eher matschig und kompakt, arbeite großzügig Faserfutter in alle Schichten ein (siehe Belüftung und Faserfutter). Das kannst du ruhig schon 1 Woche oder länger vorher machen – dann hast du keinen Stress vor der Abreise.
- Futter: Unter 1 Woche ist nichts nötig. Bis 3 Wochen: Futter für ~1 Woche, Feuchtigkeit checken, Faserfutter dazu. Über 3–4 Wochen: ein Wurm-Sitter, der belüftet und etwas füttert – Luft ist hier fast wichtiger als Futter. Für manche ist das auch DIE Gelegenheit, die Wurmkiste mal jemandem zum Kennenlernen zu überlassen.
- Wurmteetasse vorher leeren.
Ideales Urlaubsfutter sind ungedüngte Kokosfasern – sie halten die Feuchtigkeit. Als Kokosfaserziegel oder enthalten im großen Pflegeset. Für zwei Wochen reicht ein halber Block: einfach gesamt einweichen, die benötigte Menge verwenden und den Rest wieder antrocknen lassen.
Erste Hilfe bei Hitzeschock
Ist das Material zusammengefallen und matschig und sind die Würmer nach unten verschwunden, war’s zu warm und/oder zu wenig belüftet. Keine Sorge – meist sind sie nur in Deckung. Jetzt hilft Belüftung: großzügig Kartonschnipsel untermischen (bringt Luft, saugt Nässe), auch unter der Erntekiste nachsehen, Wurmteeblende weg und regelmäßig mit offenem Deckel lüften. Gegen Fliegen ein Netz oder Tuch drüber. Nach wenigen Tagen ist meist alles wieder im Lot.
Dein System im Sommer
Jetzt wird’s konkret: Hier kommen die Handgriffe, die genau für deinen Komposter zählen.
Würmer unterwegs oder frisch gestartet
Hier zählen vor allem Feuchtigkeit und ein kühler Standort – egal, welches System danach kommt.
Noch unterwegs oder frisch angekommen: Wir verschicken die Würmer in einem Substrat mit Feuchtigkeit und Futter. Prüf nach dem Auspacken kurz, ob es sich feucht anfühlt. Müssen die Würmer noch ein paar Tage warten, bis sie in ihr neues Zuhause einziehen – du willst die Kiste ja in Ruhe aufbauen –, dann sprüh etwas Wasser hinein, verschließe Sack oder Kübel und stell ihn vorübergehend kühl und schattig. So überstehen die Würmer problemlos einige Tage bis zum Einzug.

Dass das mitgeschickte Reise-Substrat den Unterschied macht, zeigt ein echtes Erlebnis: Ein Paket kam nach vier Wochen mitten im Hochsommer ungeöffnet zu uns zurück – und drin waren mehr quietschfidele Würmer als beim Versand. Sie hatten sich unterwegs einfach vermehrt. 🪱
Frisch gestartet: Jetzt heißt es, Substrat und Biomüll ausreichend feucht zu halten. Trockenes wird nicht gefressen, und das Holz einer neuen Kiste zieht in der Anfangszeit noch Feuchtigkeit aus dem Biomüll. Ist der Biomüll eher trocken und die Würmer nicht gleich unter der Hanfmatte oder in den oberen Schichten zu finden, überprüf unbedingt die Feuchtigkeit – bei Trockenheit ziehen sie sich nach unten zurück, wo es länger feucht bleibt. Nach und nach kommt mit dem gefütterten Biomüll genug Feuchtigkeit ins System, und du musst nicht mehr nachhelfen. Wenn du unsicher bist, nimm die mitgelieferte Betriebsanleitung zur Hand – dort ist alles Schritt für Schritt beschrieben.
Häufige Bedenken
Wurmkisten aus Holz

Die klassische Holzkiste atmet und puffert Feuchtigkeit – ein echter Vorteil. Genau deshalb braucht sie im Hochsommer drei vorbeugende Handgriffe, damit es nicht zum Hitzeschock kommt.
1. Jetzt ernten. Ist die Kiste voll bzw. erntereif, ernte sie vor Urlaub und Hitze – das bringt Luft ins System, und deine Pflanzen freuen sich über den Humus. Reinige dabei die Membran bzw. das Filtervlies, dann strömt auch von unten wieder Luft nach. (Eine Kiste lief mal drei Jahre ohne Ernte – alle Luftöffnungen verdeckt. Nach der Ernte: zwei Kübel Humus und endlich wieder fidele Würmer.)
2. Belüften, wenn’s riecht. In der Holzkiste arbeitest du das Faserfutter durch den ganzen Inhalt (bei Verwendung der Erntekiste auch mal darunter schauen). Zum Lüften einfach den Deckel auf – mit Fliegenschutz, z. B. einem Netz drüber. (Mischungsverhältnis und geeignetes Faserfutter: siehe Belüftung und Faserfutter.)
3. Kühl halten. Wird’s richtig heiß, hilft die „Mini-Klimaanlage” mit der gefrorenen Flasche → Kühltricks bei extremer Hitze.
Häufige Bedenken
WurmBox-Komposter aus Kunststoff

Die WurmBox arbeitet mit gestapelten Kunststoff-Etagen. Der Unterschied zur Holzkiste: Sie hat zwar kleine Lüftungslöcher im Deckel und von unten durch das Sieb über der Wurmteetasse strömt auch Luft rein, aber Kunststoff atmet nicht und puffert keine Feuchtigkeit – dadurch kann es schneller zu feucht und stickig werden. Luft ist hier also doppelt wichtig. Die gute Nachricht: Mit dem Etagen-System lässt sie sich besonders clever lenken.
1. Ernten – Ebene für Ebene. Ist die unterste Etage fertig, ernte sie. Das schafft Platz, bringt Luft ins System und liefert dir Humus für die Pflanzen.
2. Belüften in jeder Ebene. Bei Fäulnisgeruch oder matschigem Inhalt arbeitest du Faserfutter in jede Ebene ein (Mischung → siehe Belüftung und Faserfutter). Zum Lüften die Etagen leicht versetzt aufeinanderstellen, mit Fliegenschutz.
3. Netz statt Deckel. Spann ein Fliegenschutz-Netz zwischen oberster Etage und Rahmen und lass den Deckel weg. So bleiben Fruchtfliegen draußen – und die warme, feuchte Luft kann oben ungehindert entweichen, statt sich unter dem Deckel zu stauen.

4. Der Kamineffekt – unser Geheimtipp. 🌬️ In jeder Ebene – von unten bis oben – eine Ecke frei von Biomüll lassen, sodass die Löcher im Boden der Etage zum Vorschein kommen. So entsteht ein durchgehender Luftschacht: Frische Luft strömt von unten nach oben durch alle Etagen und entweicht oben durch die Deckellöcher – oder, wie in Punkt 3, einfach durchs Netz. Das Ergebnis: deutlich weniger Feuchtigkeitsregulierung nötig und immer ausreichend Luft. Netz statt Deckel und die freie Ecke ergeben zusammen den perfekten Kamin.
5. Kühl halten. Auch hier hilft bei Extremhitze die gefrorene Flasche → Kühltricks bei extremer Hitze.
Häufige Bedenken
Wurmvase & Beetkompost-systeme

Der entspannteste Fall: Wurmvase und Beetkomposter stecken im Beet bzw. in der Erde und sind dadurch von Natur aus gut gepuffert und kühler. Das Hitzerisiko ist hier am geringsten – zwei Handgriffe genügen.
Gießen. Gieß direkt in die Wurmvase und rundherum – es regnet ja nicht hinein. Schöner Nebeneffekt: Der Wurmhumus aus der Vase wird direkt zu den Pflanzenwurzeln gespült. (Anders als bei den geschlossenen Systemen ist Gießen hier genau richtig – bei Holzkiste und WurmBox sprühst du lieber, siehe Die richtige Feuchtigkeit.)

Auflockern. Zum Auflockern sanft durchwühlen – mit den Händen, mit Handschuhen, einem Stöckchen oder einem anderen stumpfen Gegenstand – und ruhig bis zum Boden gehen. Misch dabei etwas Faserfutter (Karton, Laub, Heu) unter. So ist alles befeuchtet und gleichzeitig gut belüftet.
Schattentrick. 🌱 Pflanze südseitig der Wurmvase eine höher wachsende Pflanze, z. B. Strauchbasilikum oder Paprika. Die kommen mit Sonne bestens zurecht und spenden der Vase angenehmen Schatten.
Häufige Bedenken
Gut versorgt durch den Sommer

Drei Dinge, die im Hochsommer perfekt zusammenspielen:
- Der Sommer-Allrounder: der Kokosfaserziegel. Er lockert, belüftet und puffert Feuchtigkeit – hilft also bei zu nass und ist gleichzeitig das ideale Urlaubsfutter.
- Noch runder: das große Pflegeset mit Hanfmatten, Mineralmix und Kokosfaserziegel. Die Hanfmatte hält den Biomüll feucht und Fliegen fern, der Mineralmix sorgt für ein gesundes Milieu, die Kokosfasern bringen Luft. Die rundum-sorglos-Kombi für Hitze und Urlaub.
- Für die schnelle Feuchtigkeit: die Sprühflasche (aus recyceltem Material) – damit benetzt du gezielt, statt zu gießen.
Noch tiefer einsteigen? Unser Wurmkisten-Handbuch hat das ganze Wurmwissen kompakt und illustriert.
Wir wünschen dir und deinen Würmern einen schönen, entspannten Sommer ☀️


















