Bleib „in Kontakt“ mit deinen Würmern.
Nach ein bis zwei Monaten wird das Zusammenleben mit Kompostwürmern in der Wurmkiste oder im Wurmkomposter allmählich normal. Vermutlich hast du schon deine eigene Biomüll-Routine entwickelt?
Auch wenn du dich an die Würmer bei dir zuhause gewöhnt hast, schadet es nicht, ab und zu einen genaueren Blick reinzuwerfen. So kannst du sicherstellen, dass es den Würmern richtig gut geht und alles rund läuft. Los geht’s – Schritt für Schritt!
Wie geht es den Würmern?

Die Farbe der Würmer sollte rosig sein, es ist normal, dass sie zum Schwanzende hin leicht gelb-weißlich sind.
Die Würmer sollten, wenn du den Deckel öffnest auch in den oberen Schichten zu sehen sein. Sie ziehen sich durch das Licht sofort nach unten zurück. Hab auch keine Scheu davor mal hineinzugreifen, Orte und Futter zu finden, die deinen Würmer besonders gut gefallen. Wenn du magst, gern mit Handschuhen. Ohne geht aber auch :-).
Sollten sie sich aber zu größeren Haufen zusammenknäueln oder einige Zentimeter hoch stapeln, dann ist etwas nicht in Ordnung (gehe zu ‘Wurmwohl + Erste Hilfe’) Auch wenn die Würmer schlapp oder sehr unbeweglich sind, sollte man die Lage gut beobachten. Die Würmer sollten keinesfalls Einschnürungen aufweisen. Das würde auf eine Vergiftung durch Eiweiß oder Kohlenhydrate hindeuten.
Warum fressen sie die Hanfmatte?

Sie haben die Hanfmatte einfach zum Fressen gerne. Sie dient als Wohlfühlumgebung und wird auch als Wurm-Kinderstube bevorzugt. Es ist normal, dass die Würmer in der Hanfmatte herumturnen und sie erkunden. Es wird auch nicht lange dauern, und sie werden die erste Hanfmatte verspeist haben. Sobald sich die Hanfmatte nicht mehr hochheben lässt, kannst du sie einfach zerpflücken und in der Wurmkiste belassen. Frisches Futter einfach oben drauf geben und neue Hanfmatte als Deckschicht verwenden. Die folgenden Hanfmatten werden länger halten.
Die Hanfmatten werden weiterhin rasch verspeist? Dann benötigen deine Würmer mehr Faserfutter in Form von kleinen Kartonschnipseln, Zeitungspapier oder getrocknetem Laub. Die Hanfmatte dient ihnen sonst als das für den Kompostierprozess notwendige Faserfutter. Falls du Nachschub brauchst: Die Hanfmatte gibt es im kleinen Pflegeset oder im großen Pflegeset.
Wer lebt in der Wurm-WG?
Die Würmer haben tatkräftige Unterstützung: Milben, Springschwänze und Enchyträen sind fleißige Helfer beim Kompostieren. Es ist völlig normal, dass ihre Anzahl in den ersten Monaten über Nacht explodiert, sich dann aber wieder von alleine einpendelt. Auch wenn sie unterschiedliche Vorlieben beim Biomüll zeigen, bleiben sie immer in der Kiste und sind allgemein sehr ruhige MitbewohnerInnen.

So fütterst du richtig
- Möglichst klein geschnitten, damit es rasch in Humus umgewandelt werden kann.
- Möglichst heterogen: eine gute Mischung aus Obst- und Gemüseresten, Karton/Papier-Schnipsel, Tee- und Kaffeetrester.
- Du hast Fragen zum Futter? Dann hol dir unser praktisches Futterplakat. Du kannst es einfach über der Wurmkiste aufhängen. Oder lies in unserer Online-Futterliste nach.
- Mineralmischung: mit einem Abstand von 4 Wochen 1-2 Esslöffel (je nach Kistengröße) puderzuckerartig auf die oberste Schicht Biomüll streuen. Danach ggf. ein wenig mit Wassersprühflasche befeuchten. Du brauchst bereits Nachschub? Bitte hier entlang…
Wie steht es um die Feuchtigkeit?
Um die aktuelle Feuchtigkeit festzustellen, gibt es einige Indikatoren:

- Der Deckel soll nicht „dauerfeucht“ sein. In dem Fall regelmäßig untertags lüften und abtrocknen lassen.
- Das Holz der gesamten Kiste darf sich mit der Zeit etwas dunkler verfärben, sollte aber nicht tief schwarz sein (das wäre ein Zeichen dafür, dass es „dauerfeucht“ ist, Abhilfe siehe oberhalb)
- Ist die Hanfmatte feucht und sind viele Würmer drinnen ist dies ein gutes Zeichen. Sollte die Hanfmatte ganz trocken sein, dann ist es zu trocken in der Wurmkiste. In diesem Fall mit der Sprühflasche ein wenig nachhelfen und die oberste Schicht Bioabfälle befeuchten.
- Das Substrat/halb verarbeiteter Biomüll soll gut feucht sein, aber nicht matschig! Ggf. Kartonschnipsel untermischen (saugen und durchlüften besser als Zeitungspapierschnipsel). Zum Check der Feuchtigkeit kannst du eine Faustprobe machen. Dafür eine Hand voll Substrat in die Hand nehmen, Würmer aussortieren und das Substrat in der Hand fest zusammendrücken. Sollte Flüssigkeit leicht zwischen den Fingern durchkommen, ist es ideal. Es soll jedoch nichts „herausrinnen“. Dann wäre es eindeutig zu feucht. Matschige Wurmkisten beginnen zu riechen, die Bedingungen für die Würmer sind dann nicht mehr ideal und es könnte auch sein, dass die Membran zunehmend verstopft. (siehe unterhalb bei Wurmtee)
Bildet sich Wurmtee?
In den ersten 2-3 Monaten ist das Ausbleiben des Wurmtees völlig normal. Die Wurmkiste muss sich erst einspielen und das Holz “zieht” ev. auch noch etwas Feuchtigkeit. Danach hängt die Bildung von Wurmtee stark von Standort, Biomüllart und der verfütterten Karton- bzw. Papiermenge ab. Im Sommer fällt eher mehr Wurmtee an, weil dann “feuchterer” Biomüll zur Verfügung steht, wie z.B. Melonenschale, Gurkenreste, Salatreste etc. Wenn die Wurmkiste in einer warmen Umgebung steht zB bei Fußbodenheizung gibt es weniger/keinen Wurmtee.

Ist deine Wurmkiste allerdings schon längere Zeit in Betrieb, der Kisteninhalt sehr feucht und trotzdem fällt kein Wurmtee an? Deine Ernte würde auch schon länger anstehen bzw. ist schon länger als 10 Monate her? Dann ist wahrscheinlich die Membran, quasi das Herzstück deiner Wurmkiste, die “Fest” (Humus) von “Flüssig” (Wurmtee) trennt, verstopft. In diesem Fall ist es sinnvoll die Wurmkiste zu ernten und im Zuge dessen die Membran zu reinigen. Wie das genau funktioniert und du sie auf Durchlässigkeit prüfen kannst, findest du in der mitgelieferten Betriebsanleitung bzw. siehst du in unserem Erntevideo.
Deine Wurmkiste läuft problemlos und trotzdem kein Wurmtee in Sicht? Dann braue dir deinen eigenen Wurmtee bzw. Komposttee aus frischem Humus. Hier zum Rezept.
Fliegen vermeiden
- Fruchtfliegen vorbeugen: In dem Moment, in dem du im Frühsommer reife Früchte in deiner Küche landen, solltest du auch eine eine Fruchtfliegenfalle aufstellen.
- Bioabfälle gleich verfüttern: Wenn er in einem Schüsselchen gesammelt wird und 1-2 Tage im Wohnraum steht, ist dies für die Fruchtfliegen eine Einladung, sich munter zu vermehren :-) HIER findest du wertvolle Tipps zum Fruchtfliegen vermeiden oder vertreiben. Eine wichtige Maßnahme zum Vorbeugen ist die Verwendung einer Hanfmatte, die den Biomüll für die Fliegen sehr schwer zugänglich macht.
- Trauermücken vorbeugen: Topfpflanzen auf Trauermücken untersuchen und ggf. mit Neem-Öl behandeln. Weitere Tipps bei Trauermücken findest du hier.
- Andere Fliegen vorbeugen: Manchmal legt eine Stubenfliege ihre Eier in die Wurmkiste, wenn man sie lüftet. Dies kann man vermeiden, indem man beim ausgiebigeren Lüften ein größeres Tuch oder Fliegennetz beim Lüften über die Kiste hängt.
Schau auch unter die grüne Kiste
Die Wurmkiste kann mit und ohne Erntekiste betrieben werden. Auch wenn man die Würmer in der Wurmkiste grundsätzlich nicht zu sehr stören sollte, ist eine Kontrolle des halbfertigen Humus unterhalb der grünen Erntekiste durchaus empfehlenswert. Schaue ca. 2 Monate nach Einsetzen der grünen Kiste mal in den Bereich darunter. Ist er schon einigermaßen gut zersetzt und ev. schon schön krümelig? Dann ist alles optimal. Sollte er “matschig” sein, mische bitte 1-3 Hände (je nach Feuchtigkeit) Kartonschnipsel unter. Setze dann die grüne Erntekiste wieder ein.
Schon Zeit für die Ernte?
Frühestens nach 5-6 Monaten nach Start bzw. nach der letzten Ernte kannst du Wurmhumus aus deiner Wurmkiste holen. Vorher ist der Humus noch nicht optimal für deine Pflanzen geeignet und es befindet sich auch noch viel Fressbares für die Würmer darin, was bedeutet, dass noch viele Würmer im Humus sind. Wie das mit der Ernte genau funktioniert, erklären wir in diesem Video.

Wir freuen uns riesig mit dir – denn dein Biomüll wird nicht einfach entsorgt, sondern füttert fleißige Würmer und verwandelt sich in wertvollen Humus für deine Pflanzen. Ein echtes Kreislaufwunder, direkt in deiner Küche! Vielleicht sorgt die Wurmkiste ja schon für neugierige Fragen bei deinen Gästen – oder ist sie dein kleines, nachhaltiges Geheimnis? 😉
Jeder Apfelbutzen, jede Zwiebelschale zählt – denn aus Bioabfall wird fruchtbare Erde. Erzähl’s weiter: So wird aus deiner Begeisterung Bewegung.


