Zwei bekannte Möglichkeiten, Biomüll im Wohnraum zu verwerten, sind die Wurmkiste und der Bokashi-Eimer. Beide Systeme verarbeiten den Biomüll in der Wohnung. In der Wurmkiste machen die Arbeit die Regenwürmer, die gleichzeitig das Endprodukt Wurmhumus herstellen. Im Bokashi wird durch die Fermentionsbakterien versucht, dass kein Geruch entsteht. Wir teilen hier unsere Erfahrung mit den beiden Systemen.

 

Die Wurmkiste

Zuerst, wie könnte es anders sein: Die Wurmkiste. Bei der Wurmkompostierung zersetzen Kompostwürmer (Eisenia foetida) und Mikroorganismen den Biomüll in seine Grundsubstanzen. Diese können von den Pflanzen wieder aufgenommen werden und liefern zahlreiche Nährstoffe. Das Ganze beansprucht kaum Pflege und funktioniert ohne Gestank. Unsere Wurmkisten gliedern sich zudem als Sitzhocker in den Wohnraum ein und du kannst deine Haustiere bei der Arbeit beobachten.:-)

Unsere Wurmkiste ist ein praktischer Indoor-Komposter aus Holz.

Das Bokashi

Das zweite System, das wir hier vorstellen wollen, ist das Bokashi. Bokashi stammt aus Japan und es handelt sich um ein luftdichtes Plastikgefäß, in das sämtliche Küchenabfälle entsorgt werden können. Hier werden diese durch Fermentierung zu Dünger umgewandelt. Der Prozess ist ähnlich wie bei Sauerkraut. Die Fermentierung findet ohne Luft statt und gelingt dauerhaft durch die wiederholte Zugabe von effektiven Mikroorganismen. Diese werden nach jeder Zugabe von Biomüll erneut hinzugefügt. Anders als bei der Wurmkompostierung müssen die Bioabfälle im Bokashi-Eimer fest zusammengepresst werden, damit so wenig Luft wie möglich zwischen den Abfällen ist.

Bokashi bin set

Was darf hinein?

Kompostwürmer sind rohvegan – das bedeutet, du kannst in der Wurmkiste nicht alle deine Küchenreste entsorgen. In die Wurmkiste dürfen Obst- und Gemüsereste, Teesäckchen, Eierschalen, Kaffeesatz, Pflanzenreste, Blätter (keine Nussblätter) und Biokunststoff (je nach Zertifizierung). Außerdem fällt eine besondere Rolle auf Zeitungspapier und Karton sowie eine Mineralmischung, die in regelmäßigen Abständen in die Kiste gegeben werden soll, um den PH-Wert zu erhalten. Fleisch, Gekochtes und Kohlenhydrate (Nudeln) bekommen den Würmern allerdings nicht. Damit würdest du deine Wurmpopulation umbringen.

Beim Bokashi gibt es weniger Regeln – du kannst darin so gut wie alles fermentieren, das in der Küche anfällt. Gemüse, Milchprodukte, Citrus-Schalen, kleine Fleischabfälle, … das wird alles im Bokashi-Eimer fermentiert. Hier kannst du außerdem gekochte Reste wie Nudeln, Reis oder Salatsauce entsorgen. Papier darf nicht hinein. Die Qualität des Bokashis hängt von den verwendeten Zutaten ab. Es wird daher oft empfohlen, auf die Zugabe von Fleisch zu verzichten, auch wenn es abgebaut werden kann. Antibiotika-Rückstände könnten die Mikroorganismen schädigen, außerdem könnten durch das Fleisch Parasiten eingeschleust werden.

Was für beide Systeme gilt: Am Liebsten mögen die Würmer und Mikroorganismen ihr Futter übrigens klein geschnitten, da sich dadurch die Oberfläche erhöht und die Reste so besser verwertet werden können.

Die Ernte

Sind die Wurmkiste oder der Bokashi voll, kannst du Dünger entnehmen. Bei der Wurmkompostierung wird der fertige Wurmhumus geerntet und kann direkt zum Düngen verwendet werden. Die Kiste kann außerdem ohne Unterbrechung verwendet werden.

Den fertigen Wurmkompost kannst du direkt verwenden.

Wenn der Bokashi voll ist, dauert es 2-3 Wochen, bis die Fermentation abgeschlossen ist. Dabei entsteht ein säuerlicher Geruch und das Gefäß darf während dieses Prozesses nicht geöffnet werden. Deshalb wird oft empfohlen, zwei Bokashi zu betreiben. So kann während des Fermentationsvorgangs das zweite Gefäß befüllt werden.

Die Bokashi Masse kannst du nicht direkt verwendet werden. Sie ist eine Vorstufe der Komposterde und durch die Fermentierung zu sauer. In diesem Zustand würde sie die Wurzeln der Pflanzen sogar schädigen. Um Komposterde zu erhalten, muss die Bokashi Masse noch etwa sechs Wochen kompostiert werden. Hierfür kannst du die säuerliche Masse in einen Gartenkomposter füllen. Wichtig: Die Bokashi-Masse darfst du nicht in die Wurmkiste geben! Sie ist zu scharf und beinhaltet anaerobe Bakterien, die für die Regenwürmer schädlich sein können. Außerdem hättest du mit der Geruchsentwicklung wenig Freude.

Hier noch einmal die Fakten im Überblick:

Wurmkompostierung Bokashi
Grundlegender Prozess Kompostierung Fermentierung
Was darf hinein? Rohe Pflanzenabfälle, Kaffee, Tee, Zeitungspapier, Bioplastik Sämtliche Küchenabfälle (roh und gekocht, inklusive Fisch und Fleisch), kein Papier
Wie riecht das? Nach Waldboden Scharf und säuerlich
Eingabe des Biomülls Einfach einfüllen. Schneiden beschleunigt den Prozess Abfälle zusammenpressen, damit möglichst wenig Luft zwischen den Abfällen ist
Tägliche Pflege Kaum Pflege notwendig Tägliche Beigabe von Mikrobenlösung/körnigen Fermentierern
Was kommt raus? Nährstoffreiche Flüssigkeit (Wurmtee) und fertiger Wurmhumus Nährstoffreiche Flüssigkeit und Bokashi Masse (Vorstufe zu Humus)
Humus Würmer verarbeiten Biomüll direkt in Humus Bokashi Masse muss 6 Wochen weiter zu Humus verarbeitet werden
Ernte Fertiger Humus kann geerntet werden sobald die Kiste voll ist. Keine Unterbrechung Volles Gefäß darf während der Fermentation (2-3 Wochen) nicht geöffnet werden
Dauer der Umwandlung 3 Wochen 2-3 Wochen
Idealtemperatur 15-25°C 25-30C°
Laufende Kosten Keine Regelmäßiger Nachkauf von Effektiven Mikroorganismen oder Fermentierern

 

Fazit:

Beide Systeme verarbeiten den Biomüll in der Wohnung. In der Wurmkiste machen die Arbeit die Regenwürmer, im Bokashi die Fermentationsbakterien.

Das Bokashi System kann mehr Abfälle verwerten, im Besonderen auch tierische Produkte. Das ist praktisch für Haushalte, in denen oft Essensreste anfallen oder Fleisch gegessen wird. Dafür muss die Bokashi Masse erst weiter zu Humus verarbeitet werden, wohingegen der Humus aus der Wurmkiste direkt verwendet werden kann. Das Bokashi-System kann während des Fermentationsprozesses nicht durchgehend verwendet werden, die Wurmkiste ist direkt nach der Ernte wieder einsatzbereit. Außerdem müssen für den Bokashi-Eimer regelmäßig Baktieren nachgekauft werden.

Für uns ist ganz klar: Wurmkompostierung in der Kiste ist die bessere Option.

Erfahrungsbericht: Gastbeitrag von Michaela

Da man immer wieder zu lesen bekommt, dass der Bokashi die Würmer für längere Zeit aus der Erde bzw. dem Komposter vertreibt, möchte ich (als eingefleischter Bokashi-Wurm-Fan) meine persönliche Erfahrung der letzten drei Jahre mit dir teilen.

Also, meine Würmer lieben den Bokashi!

Das ganze Jahr über werfe ich den zu ca. 1/3 mit Erde gemischten Bokashi (aus allen Küchenabfällen inkl. den für Würmer eher ungeeigneten Dingen wie gekochte Essensreste, Milchprodukte, Brot, ungespritzen Zitrusschalen oder Öl) in meine Wurm-tonne im Garten. Ratten werden trotz öffentlich zugänglichem Eingang in die Tonne von den fermentieren Essensresten nicht angezogen – das stinkt ihnen wohl zu viel. Auch wenn sich die Würmer auf Grund der Kälte im Herbst bereits verkrochen haben, verrichten die Mikroorganismen und anderes Kleingetier in der beigemischten Erde noch ganze Arbeit.

Seit einigen Wochen haben sich nun die Würmer wieder den Weg nach oben gebahnt und fühlen sich in der vermeintlich sauren Umgebung sehr wohl. Im Mai „schöpfe” ich die obere Schicht mit den Würmern ab, bringe die ca. 300 Liter wunderschönen Humus auf meinen Beeten aus, gebe die Würmer wieder rein und alles beginnt von vorne.

Wie stark der Humus wirkt, sehe ich an meinem Garten: Von meiner Zucchinistaude hatte ich letztes Jahr über 30 Stk. geerntet, die Karotten waren teilweise kinderarmdick und die Melanzanistaude ging voll behangen in die Horizontale. Ob es nun am liebevollen Zureden meinerseits oder einfach am perfekten Kreislauf der Natur liegt, ich habe die besten Erfahrungen mit der Kombi aus Bokashi und Würmern gemacht!
In der Wurmkiste im Wohnbereich würde ich dieses Experiment jedoch nicht unbedingt empfehlen, da der saure Geruch zwar nicht die Würmer, dafür aber den Besuch aus der Wohnung vertreiben könnte.

Danke für deinen Bericht, liebe Michaela!