Bokashi vs Wurmkiste

Es gibt verschiedene Möglichkeiten seinen Biomüll in der eigenen Wohnung sinnvoll zu verwerten – zwei stellen wir euch jetzt vor.

Zuerst, wie könnte es anders sein: Die Wurmkompostierung. Bei der Wurmkompostierung zersetzen heimische Regenwürmer (Eisenia foetida) und Mikroorganismen den Biomüll in seine Grundsubstanzen. Diese können von den Pflanzen wieder aufgenommen werden und liefern zahlreiche Nährstoffe. Das Ganze beansprucht kaum Pflege und ist geruchslos. Unser System gliedert sich zudem als Sitzhocker in den Wohnraum ein und man kann die Regenwürmer auch als Haustiere sehen :-)

Wurmkiste für den Wohnraum

Das zweite System, dass wir hier vorstellen wollen, ist das Bokashi. Das Bokashi stammt aus Japan und es handelt sich um ein luftdichtes Plastikgefäß in das sämtliche Küchenabfälle entsorgt werden können. Hier werden diese durch Fermentierung zu Dünger umgewandelt. Der Prozess ist ähnlich wie bei Sauerkraut.

Die Fermentierung findet ohne Luft statt, und gelingt nur durch die wiederholte Zugabe von Effektiven Mikroorganismen. Diese müssen nach jeder Zugabe von Biomüll erneut zugegeben werden. Anders als bei der Wurmkompostierung müssen hier die Bioabfälle fest zusammengepresst werden, damit so wenig Luft wie möglich zwischen den Abfällen ist.

Bokashi bin set

Sind die Systeme voll kommt er zur Ernte. Bei der Wurmkompostierung wird der fertige Wurmhumus geerntet und kann direkt zum Düngen verwendet werden. Die Kiste kann außerdem ohne Unterbrechung verwendet werden.

fertiger Wurmkompost – kann direkt verwendet werden

Wenn der Bokashi voll ist, dauert es 2-3 Wochen bis die Fermentation abgeschlossen ist, wobei ein säuerlicher Geruch entsteht. In dieser Zeit darf das Gefäß nicht geöffnet werden, weshalb oft empfohlen wird zwei Bokashi zu verwenden. So kann während dem Fermentationsvorgangs das zweite Gefäß befüllt werden.

Die Bokashi Masse kann nicht direkt verwendet werden, sie ist eine Vorstufe der Komposterde und durch die Fermentierung zu sauer. In diesem Zustand würde sie die Wurzeln der Pflanzen sogar schädigen. Um Komposterde zu erhalten muss man die Bokashi Masse noch etwa sechs Wochen kompostieren. Hierfür kann die säuerliche Masse in einen Gartenkomposter gegeben werden.

Ihr seht also, dass das Bokashi System mehr Abfälle verwerten kann, im besonderen auch Fleisch und Milchprodukte. Dafür muss die Bokashi Masse erst weiter zu Humus verarbeitet werden, wohingegen Wurmhumus direkt verwendet werden kann. Außerdem kann das Bokashi System durch die Fermentierung nicht durchgehend verwendet werden was bei Verwendung der Wurmkiste nicht der Fall ist.

Wichtig ist auch zu wissen, dass die fertige säuerliche Masse aus dem Bokashi nicht in die Wurmkiste gegeben werden darf. Diese ist zu scharf und beinhaltet anaerobe Bakterien die für die Regenwürmer nicht gut sind.

Hier noch einmal die Fakten im Überblick:

WurmkompostierungBokashi
Grundlegender ProzessKompostierungFermentierung
Was darf hinein?Rohe Pflanzenabfälle, Kaffee, Tee, Zeitungspapier, BioplastikSämtliche Küchenabfälle (roh und gekocht, inklusive Fisch und Fleisch)
Wie riecht das?Nach WaldbodenScharf und säuerlich
Eingabe des BiomüllsEinfach zugeben, etwas kleiner schneiden von VorteilAbfälle zusammenpressen, damit möglichst wenig Luft zwischen den Abfällen ist
Tägliche PflegeKaum Pflege notwendigTägliches zugeben von Mikrobenlösung/körnigen Fermentierern
Was kommt raus?Nährstoffreiche Flüssigkeit (Wurmtee) und fertiger WurmhumusNährstoffreiche Flüssigkeit und Bokashi Masse (Vorstufe zu Humus)
HumusWürmer verarbeiten Biomüll direkt in HumusBokashi Masse muss 6 Wochen weiter zu Humus verarbeitet werden
ErnteFertiger Humus kann geerntet werden sobald die Kiste voll ist. Keine UnterbrechungVolles Gefäß darf während der Fermentation (2-3 Wochen) nicht geöffnet werden
Dauer der Umwandlung3 Wochen2-3 Wochen
Idealtemperatur15-25°C25-30C°
Laufende KostenKeineRegelmäßiger Nachkauf von Effektiven Mikroorganismen oder Fermentierern

Die Qualität des Bokashis hängt von den verwendeten Zutaten ab. Es wird daher oft empfohlen auf die Zugabe von Fleisch zu verzichten, auch wenn es abgebaut werden kann. Antibiotika-Rückstände könnten die Mikroorganismen schädigen, außerdem könnten durch das Fleisch Parasiten eingeschleust werden.

Fazit: Beide Systeme verarbeiten den Biomüll in der Wohnung. In der Wurmkiste machen die Arbeit die Regenwürmer die gleichzeitig das Endprodukt Wurmhumus herstellen. Im Bokashi wird durch die Fermentionsbakterien versucht, dass kein Geruch entsteht. Die fertige Masse muss anschließend noch im Garten verkompostiert werden. Weiters ist es auch nötig regelmässig Bakterien nachzukaufen.

Für uns ist somit klar -> Wurmkompostierung in der Kiste ist die bessere Option :)

Zusätzliche Erfahrung: Gastbeitrag von Michaela

Da man immer wieder zu lesen bekommt, dass dieser die Würmer für längere Zeit aus der Erde bzw. dem Komposter vertreibt, möchte ich (als eingefleischter Bokashi-Wurm-Fan ;-) ) meine persönliche Erfahrung der letzten drei Jahre mit dir teilen.

Also meine Würmer lieben ihn!
Das ganze Jahr über werfe ich den zu ca. 1/3 mit Erde gemischten Bokashi (aus allen Küchenabfällen inkl. den für Würmer eher ungeeigneten Dingen wie gekochte Essensreste, Milchprodukte, Brot, ungespritzen Zitrusschalen oder Öl) in meine Wurm-Regentonne im Garten. Ratten werden trotz öffentlich zugänglichem Eingang in die Tonne von den fermentieren Essensresten nicht angezogen – das stinkt ihnen wohl zu viel.
Auch wenn sich die Würmer ag. der Kälte im Herbst bereits verkrochen haben, verrichten die Mikroorganismen und anderes Kleingetier in der beigemischten Erde noch ganze Arbeit.

Seit einigen Wochen haben sich nun die Würmer wieder den Weg nach oben gebahnt und fühlen sich in der vermeindlich sauren Umgebung sehr wohl.
Im Mai “schöpfe” ich die obere Schicht mit den Würmern ab, bringe die ca. 300 Liter wunderschönen Wurmhumus auf meinen Beeten aus, Würmer wieder rein und alles geht von vorne los.
Von meiner Zucchinistaude hatte ich letztes Jahr über 30 Stk. geerntet, die Karotten waren teilweise kinderarmdick und die Melanzanistaude ging voll behangen in die Horizontale. :-)

Ob es nun am liebevollen Zureden meinerseits ;-) , oder einfach am perfekten Kreislauf der Natur liegt, ich habe nur die besten Erfahrungen mit der Kombi aus Bokashi und Würmern gemacht!
In der Wurmkiste im Wohnbereich würde ich dieses Experiment jedoch nicht unbedingt empfehlen, da der saure Geruch zwar keine Würmer, dafür aber den Besuch aus der Wohnung vertreiben könnte.