Ein Gastbeitrag von Birgit Schattling, Bio-Balkon. Dort bekommst Du noch mehr praktische Anleitung für üppige, freudebringende Balkon-Oasen, die eine Wohltat für Menschen, Insekten und Tiere sind.

Mein Erfahrungen nach 6 Jahren Praxiseinsatz Wurmkompostierung in der Küche und beim Gärtnern auf meinen Berliner Stadtbalkons und fünf Fensterbrettern. 

Birgits Naschbalkon ist nur 60 cm breit

2015 bezog ich eine der ersten Wurmkisten vom Entwickler David Witzeneder und liebe sie tatsächlich sehr. Wir stehen in einem innigen Verhältnis, ermöglicht sie mir als Stadtgärtnerin in Berlin City doch bestes Wachstum gesunder Pflanzen und große Ernten auf beiden Balkons (4 + 5 m²) und auch auf den Fensterbrettern. Ich bin begeistert, dass wir in unserer Wohnung neben der Selbstversorgung mit (frischen, unverpackten) Salaten, Kräutern, Gemüse, Sprossen und Microgreens einen weiteren nachhaltigen Naturkreislauf veranstalten. Mein Sohn freut sich über weitere Haustiere und baute sich im tollen Workshop mit David eine eigene Wurmkiste, die unter seinem Hochbeet steht. Nach jedem Gemüseschnippeln freue ich mich, dass ich die Reste sofort in die Kiste schmeißen kann, die praktischerweise in der Küche steht und nichts stinkt. Den zarten Geruch nach Waldboden nach dem Öffnen liebe ich. Oft werde ich auf meinen Webinaren und Social-Media-Kanälen gefragt: Warum wächst bei Dir so viel und so üppig? Ganz simpel und einfach: Ich dünge mit Wurmhumus aus der Wurmkiste! Meiner Wurmkiste entnehme ich viermal jährlich jeweils fünf Liter Wurmhumus und versorge damit die Pflanzen. 

Naschbalkon mit Hopfen, Baumspinat, Gewürztages, Wildtomate, Andenbeere, Apfelbaum, Vertikalbeet mit Erdbeere, Sommersalat.

Naschbalkon mit Hopfen, Baumspinat, Gewürztages, Wildtomate, Andenbeere, Apfelbaum, Vertikalbeet mit Erdbeere, Sommersalat.

Für mich als Bio-Gärtnerin kommt nur organische Düngung in Frage, energieintensiv erzeugte mineralische Düngung, wo oft Überdügungen auftreten, scheidet aus. Wir Bio-Gärtner füttern den Boden und halten diesen lebendig. Muss ich jedes Jahr neue Erde kaufen oder anmischen? Nein. Wurmhumus ist eine nachhaltige Variante, die Erde im Frühjahr aufzupeppen oder auch im August, wenn der Anbau von Wintergemüse einsetzt. Eine Auffrischung der Erde gelingt durch Anreicherung mit 10 % Wurmhumus. Für Starkzehrer wie Tomaten, Zucchini, Paprika, Kohlgemüse sollte 15 % Wurmhumus untergemischt oder auf die Pflanzgefäße obendrauf gestreut und mit einer Gabel eingearbeitet werden. Aber jeweils bei nassem Wetter ohne Sonne, damit die feinen Mikroorganismen überleben. 

Mein Biotop auf dem Balkon. Naturerlebnis und Ernteglück mitten in der Stadt. Ein Eichhörnchen hat seinen Kobel hier eingerichtet.

Stadtgärtnern, die sich Erdsäcke im Baumarkt/Gartencenter kaufen, ist oft nicht bewusst, dass die Erde aufgrund der Hocherhitzung des Bioabfalls kein Bodenleben enthält, was aber zum erfolgreichen biologischen Gärtnern dazugehört. Wurmhumus, Wurmtee und Komposttee führt unserem Substrat organische Düngung und Bodenleben zu. Unsere Pflanzen wachsen kräftiger, gesünder, sind weniger krankheitsanfällig und die organische Düngung bringt die wichtigen Nährstoffe, ohne dass eine Überdüngung eintritt. Günstig ist ein Mulchen der Pflanzgefäße mit organischem Material, also ein Abdecken mit leicht angetrocknetem Rasenabschnitt, kleingeschnittenen Brennnesseln oder Schafwolle. Das Bodenleben aus dem Wurmhumus ernährt sich vom Mulchmaterial, zersetzt dieses und es wirkt düngend. Es ist ein wichtiger Zusammenhang, dass das Bodenleben, das wir über den Wurmhumus einbringen, Nahrung braucht, was wir über organische Bestandteile im torffreien biologischen Substrat, Schafwollpellets und Mulchmaterial bereitstellen.

Balkonkasten auf dem Fensterbrett mit Wintergemüse: Winterpostelein, Gundermann, Asia-Salat, Red Giant, Rucola.

Ist es frostfrei, können ganzjährig Pflanzen gesetzt werden. Mutig dürfen mehr als Tomaten, Kräuter und Chili angebaut werden. Aufgrund der Klimaänderung werden die frostfreien Zeiten und damit die Anbauzeiten für Sommergemüse länger. Toll wachsen im Balkonkasten Radieschen, Buschbohnen und Zuckererbsen. Stangenbohnen, Süßkartoffeln, Mexikanische Minigurke und Inkagurke geben einen essbaren Sichtschutz. Im großen Pflanzgefäß wachsen Säulenapfel, Aroniabeere und Felsenbirne, unterpflanzt mit Walderdbeeren und Glockenblumen. Wir dürfen rechtzeitig an den Anbau vom Wintergemüse denken. Super wächst im Balkonkasten Grünkohl und Palmkohl, die im Juni gepflanzt werden. August/September werden Wilde Rauke, Winterpostelein, Barbarakresse, die verschiedenen Asia-Salate wie Mizuna, Green in Snow, Pak Choi, Tatsoi gesät bzw. gepflanzt, damit auch im Herbst und Winter geerntet werden kann. Besonders eingebaute Balkons sind dafür geeignet, weil die Pflanzen nicht wechselndem Niederschlag ausgesetzt sind. Gerade Südbalkons sind prädestiniert für den Anbau von Wintergemüse, weil aufgrund des niedrigeren Sonnenstandes das Licht in den hinteren Ecken zur Verfügung steht. Günstig ist ein Ausnutzen der Vertikale mit Vertikalbeet, wo in mehreren Etagen übereinander gegärtnert wird und richtig viel Salat geerntet werden kann.

Balkonkasten mit Wintergemüse auf dem Fensterbrett Asia-Salat Mizuna, Winterpostelein, Stielmangold, Schnittsellerie.

Balkonkasten mit Wintergemüse auf dem Fensterbrett Asia-Salat Mizuna, Winterpostelein, Stielmangold, Schnittsellerie.

Wenn Du diesen Blogartikel liest, ist immer der geeignete Zeitpunkt für einen Start oder Ausbau. Wurmhumus und Komposttee aus Wurmhumus und Wasser hilft enorm, gute Erträge von gesunden Pflanzen aus gesundem Substrat zu erzielen, weil damit die Erde immer wieder belebt und gedüngt wird. Hast Du noch „alte, gebrauchte“ Erde in Deinen Pflanzgefäßen, dann frische sie mit 10 bis 15 % Wurmhumus auf und lege los. Wir können fast ganzjährig anbauen, Grünblick haben und ernten. Wir benötigen große Pflanzgefäße, beste torffreie Bio-(Gemüse)-Erde, gute biologisch produzierte Pflanzen aus samenfestem Saatgut in Vielfalt. Zu hohen Erträgen von gesunden Pflanzen mit großartigen Geschmäckern verhilft uns das Düngen und Aufpeppen unseres Substrates mit Wurmhumus aus der Wurmkiste. Meine Fotos und die Bio-Balkon-Community beweist es. Ich wünsche Gutes Gärtnern!

 

Die Berliner Balkongärtnerin, „Natur im Garten“ Botschafterin, Autorin und Veranstalterin der bisher sieben Online Bio-Balkon Kongresse Birgit Schattling ist Medienpreisträgerin 2018 der Deutschen Gartenbaugesellschaft. 2017 und 2019 war sie für den „European Award for Ecological Gardening“ nominiert. Im gleichen Jahr erhielt sie beim Grüne-Liga-Wettbewerb „Giftfreies Gärtnern“ einen Sonderpreis für Gärtnern auf kleinstem Raum. Sie ist hochschulzertifizierte „Fachberaterin für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen“. Ihr Hortus Bio-Balkon gehört zum „Hortus-Netzwerk. Vielfalt. Schönheit. Nutzen.“ – Monatsprojekt August 2019 der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Seit 2018 ist sie Jurorin beim Pflanzwettbewerb „Deutschland summt! Wir tun was für Bienen“. Für den Verlag Gräfe und Unzer schrieb sie den Ratgeber „Mein Biotop auf dem Balkon. Naturerlebnis und Ernteglück mitten in der Stadt“, welches nach vier Monaten bereits eine zweite Auflage erhielt. Birgit Schattling hilft (nicht nur) Stadtmenschen dabei, wieder mehr Grün und Selbstversorgung in die Städte zu bringen. 

Erfahre mehr über Birgits Arbeit: www.bio-balkon.de
Es gibt auch in Kürze (ab 20. August 2021) einen Kongress zum Anbau von Wintergemüse, wo ihr erfahrt. wie ihr auch im Winter Frisches ernten könnt!

 

Ein Gastbeitrag von Marie Gandl, Zero Waste Austria

Meine Würmer sind Zero Heroes. Sie helfen mir tagtäglich, meinen Alltag ein Stück weit nachhaltiger zu gestalten und meinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Doch was hat eine Kiste voll Würmern mit einem nachhaltigen Lebensstil zu tun? Und wie werden dadurch eigentlich Ressourcen eingespart? Hier gibt’s die Antworten:

Jemand, der/die keinen Garten mit Kompost zur Verfügung hat, kennt folgendes Szenario: Man kocht leckeres Essen mit frischen Zutaten, schält und zerkleinert Gemüse, schnippelt noch Obst fürs Dessert und freut sich auf eine ausgiebige Mahlzeit. Was (neben dreckigem Geschirr) nach dem Essen übrig bleibt, sind Küchenabfälle bzw. wertvoller Biomüll, der normalerweise im Restmüll oder in der nicht gerade geruchsneutralen Biotonne landet.

Weniger Müll dank fleißigen Mitbewohnern

Doch seit vor einem halben Jahr rund 500 Kompostwürmer in einer robusten Wurmkiste in meine Wohnung eingezogen sind, hat sich mein Küchenabfall drastisch reduziert. Die fleißigen Mitbewohner zerkleinern den Großteil meiner Gemüse- und Obstschalen, Kaffeesatz und Teebeutel mit Links, arbeiten geruchs- und geräuschlos und produzieren dabei wertvolles, schwarzes Gold: frischen Wurmhumus!

Tatsächlich fressen die Würmer pro Tag rund die Hälfte ihres Eigengewichts an organischen Abfällen. So entstehen in einer Wurmkiste aus 80 bis 200 Litern Biomüll etwa 15 bis 30 Liter Wurmkompost. Bio-„Müll“, der in Städten oft der thermischen Verwertung zugeführt und verbrannt wird, kann durch den Prozess in der Wurmkiste zu einem wertvollen Dünger verwandelt werden. Neben dem schon erwähnten Wurmhumus, der unter Pflanzenerde gemischt werden kann, entsteht auch Dünger in flüssiger Form: der sogenannte Wurmtee. Dieser ist voller Nährstoffe und wunderbar für Zimmer- und Balkonpflanzen geeignet.

Doch was hat das jetzt eigentlich mit Ressourcenschonung zu tun?

Durch den Verwertungsprozess können Obst- und Gemüsereste, Zeitungspapier-Schnipsel und Kaffeesatz im Kreislauf gehalten werden. Dies hat viele Vorteile: Wichtige Nährstoffe bleiben erhalten, dienen als wertvoller Dünger und gehen nicht in der Biotonne verloren. Es ist spannend zu beobachten, wie durch die Wurmkiste das Bewusstsein für Kreisläufe wächst und man ganz automatisch auch beim Einkauf auf die Qualität und die Verpackung von Lebensmitteln achtet. Meine Würmer freuen sich auf jeden Fall, wenn ich Obst und Gemüse mit nach Hause bringe, das in Karton verpackt ist – es handelt sich dabei ja schließlich um Futter und kann, anders als Plastik, wunderbar in der Wurmkiste kompostiert werden.

Durch die Wurmhumus-Produktion im eigenen Haushalt entfällt zudem der Kauf von konventionellen Düngemitteln, welche oft in Plastik verpackt sind. Positiver Nebenfaktor: Auch das Tragen der oft schweren Dünger-Säcke bleibt einem erspart!

Würmer als Klimaretter?!

All die bereits genannten Faktoren finde ich persönlich toll, weil sie positive, sicht- und spürbare Ergebnisse im Haushalt liefern. Doch die Wurmkiste wirkt sich zusätzlich auch positiv auf die Klimabilanz und den ökologischen Fußabdruck aus: Ein Großteil des Biomülls wird in den eigenen vier Wänden verwertet und muss nicht erst mit dem Müllwagen weite Strecken zur Müllverwertungsanlage zurücklegen. Durch den Transport, der entfällt, wird hochgerechnet jede Menge C02 eingespart.

Auch die heimische Produktion der Wurmkiste an sich trägt zu ökonomischer Nachhaltigkeit bei. Der Produktionsstandort befindet sich im schönen Oberösterreich, wo die Holzkisten per Hand aus regionalen Rohstoffen gefertigt werden. Die Wertschöpfung bleibt in der Region und Betriebe in der Umgebung profitieren ebenfalls davon.

Rundum ein ressourcenschonender Ansatz

Wie man sieht, trägt die Wurmkiste direkt und indirekt zu einem nachhaltigeren Lebensstil bei. Die Würmer helfen, die Zero Waste Philosophie im Alltag zu integrieren und gleichzeitig wertvolle Ressourcen zu verwenden, statt zu verschwenden. Ich bin stolz auf meine wurmigen Mitbewohner und geb‘ sie so schnell nicht mehr her!

Die Familienwurmkiste ist für große Haushalte gemacht und verarbeitet täglich bis zu 1kg Biomüll.